Was bisher geschah...

Erklärtes Ziel unserer Theatertätigkeit ist es, dramatische
Werke der Weltliteratur in eigenen Dialektfassungen
einem breiten Publikum näherzubringen
. Davon sind
wir bisher nur dreimal abgewichen: 1989 mit einem hoch-
deutsch gespielten Stück und 1993 mit einer Werkstatt-
produktion, die ja nicht ‹Weltliteratur› ist. Letzteres gilt –
jedenfalls aus heutiger Sicht – auch für die Produktionen in den Jahren 2011, 2014 und 2015.

Anfänglich haben wir auch die Titel der Theaterstücke in die Mundart übersetzt. Das ist seit 20 Jahren nicht mehr der Fall – zum Teil aus urheberrechtlichen Gründen. Ausnahmen bilden die Stücke «Schwyg, Bueb!» (1999), «Anderson – dr Lüchtturm» (2011) und die beiden von unserem Mitglied Danièle Themis verfassten Figurentheater «D'Stampfimatt» (2011) und «Wiehnachts­abetüür» (2012), die sich mit den Werken von Otfried Preussler (2001) und
Sven Nordqvist
(2007, 2010, 2014) zu den Zweitproduktionen für Theaterbesuchende
ab vier Jahren gesellen.

Unsere Inszenierungen erfolgen unter professioneller Regie. Bis heute waren 22 ver­schie­dene Regieprofis bei uns im Einsatz.

Im Folgenden erhalten Sie eine Übersicht über unsere bisherigen Produktionen.

Tipp: Klicken Sie im gelben Feld oben auf die Jahreszahl, damit der Text nicht überdeckt wird!

 

2017   PRESSE: d'Region

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Curt Goetz

Dr. med. Hiob Prätorius

Regie: Hans Peter Incondi

Hiob Prätorius ist ein unkonventioneller Arzt. So sehr er bei Erkrankten und Medizin Studierenden beliebt ist, so sehr erweckt er im Berufskollegium Misstrauen. Deswegen hat er sich vor einem ärztlichen Fachgremium zu verantworten. Zu klären hat der umstrittene Arzt da einiges: Ist er ein Kurpfuscher? Und wer ist sein kurioser Bediensteter? Hiob Prätorius kann alle Misstrauensvoten entkräften.

Nach diesem ‹Verhör› fährt Prätorius mit seiner Frau zur Oper. Dabei ereignet sich ein Autounfall, den beide nicht überleben. Das gibt Anlass zu neuen Spekulationen...

Das siebenteilige Theaterstück lebt von brillanten, heiter wie nachdenklich stimmenden Dialogen.

 

2016   PRESSE: Fraubrunner Anzeiger

2016

Henrik Ibsen

Hedda Gabler

Regie: Andreas Berger

Hedda Gabler hat den angehenden Professor Jörg Tesman geheiratet und bezieht nach einer aus­ge­dehn­ten Hochzeitsreise eine schicke Villa. Eigentlich mangelt es ihr an nichts – und doch ist die schwan­gere junge Frau unerfüllt. Die Ehe mit dem gutmütigen wie langweiligen Wissen­schaft­ler scheint für sie ein goldener Käfig zu sein, in dem sie im Zwiespalt zwischen eigenständiger Un­ge­bun­den­heit und pflichtbewusster Gebundenheit lebt. Ihrer Umwelt gegenüber verhält sie sich distanziert und oft schnippisch abweisend.

Als ihr Exfreund aufkreuzt, begleitet von ihrer ehemaligen Jugendfreundin, wirkt Hedda Gabler zu­neh­mend intrigant. Geschieht dies, weil der einst labile Exfreund unerwartet die Karriere ihres Mannes gefährdet? Oder weil ihre Jugendfreundin so lebt, wie sie auch leben möchte? Oder weil sie einmal im Leben die «Macht über das Schicksal eines anderen Menschen» haben möchte, wie sie selber sagt?

Solche und weitere ‹Oder›-Fragen vermischen sich zu ‹Und›-Fragen und bewirken, dass Hedda Gabler – Tochter eines ranghohen Militärs – in ihrem von der Erziehung und dem sozialen Status ihrer Herkunft geprägten Leben keine Perspektiven mehr sieht.

 

2015   PRESSE: Fraubrunner Anzeiger

2015

Andreas Berger

Liebeslust und Liebesfrust
Uraufführung

Regie: Andreas Berger

Vier Männer der Berner Volksbank treffen sich regelmässig in der Firmenfussballmannschaft. Nach einem verlorenen Spiel sitzen sie in einem Restaurant, wo sich herausstellt, dass sie auch in ihren Beziehungen nicht gerade erfolgreich sind. Von einem extensiven Alkoholkonsum gefördert, beschliessen sie, ein Jahr mit keiner Frau zu verkehren – berufliche Angelegenheiten ausgenommen. Wer die Abmachung bricht, muss die anderen in ein Luxus-Hotel einladen.

Als die vier ‹Asketen› jedoch im Rahmen von Fusionsgesprächen mit der Berner Sparkasse auf vier Frauen treffen, gerät der Vorsatz ins Wanken: Jeder verliebt sich in eine der Frauen. Was das Ganze verkompliziert: Jeder war bereits mit einer der Frauen liiert oder lebt in Scheidung...

Andreas Berger hat das Stück eigens für uns geschrieben und sich dabei von Shakespeares Lustspiel «Love's Labour's Lost» inspirieren lassen.

 

2014   PRESSE: D'REGION  Theater-Zytig

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Corina Rues-Benz

Mordsfrauen
Tramödie hinter Gittern

Regie: Renate Adam

Ein Wasserschaden ist angbelich der Grund, dass fünf inhaftierte Möderinnen in den engen Abstell­raum des Gefängnisses verlegt werden. So treffen unterschiedlichste Charaketere aufeinander und Konflikte bleiben nicht aus. Einzelschicksale und deren Verdrän­gung, verbindende und trennende Lebenssituationen treten ebenso zutage wie individuelle Zukunftsperspektiven. Die Aufführung bietet psychologische und gruppendynamische Einblicke ins Gefängnisleben.

 

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PRESSE: Fraubrunner Anzeiger

Sven Nordqvist

Pettersson und Findus

Regie: Renate Adam

Sieben Jahre nach der Erstaufführung erlebt das Stück eine Reprise, dies unter gleicher Regie, mit den fast ausnahmslos gleichen Spielerinnen und Spielern und mit dem gleichen Erfolg. Alle 41 Vorstellungen (!) fanden regen Beifall. – Zum Inhalt des Stücks siehe hier.

 

2013   PRESSE: D'REGION

2013

Anton Tschechow

Onkel Wanja *

Regie: Brigitte Bissegger

Seit dem Tod ihrer Mutter lebt Sonja bei Onkel Wanja und hilft ihm, das verschuldete Landgut zu verwalten. Nahezu alle Einnahmen lassen die beiden Professor Serebrjakow, Sonjas Vater, zukom­men. Als dieser mit seiner jungen zweiten Frau eintrifft, gerät der harte, aber eintönige Alltag der Gutsbewohner und -besucher aus dem Lot: Wünsche und Sehnsüchte, Wut und Hass blitzen auf – und verblassen wieder im Alltag.
Tschechows Stück stellt die Frage, wie man leben soll bzw. warum man nicht lebt, wie man leben könnte. Und so steht denn auch nicht das äussere, sondern das innere Geschehen im Zentrum.

* Originaltitel (transkribiert): «Djadja Vanja»

 

2012

Danièle Themis

Wiehnachtsabetüür

ein Figurentheater

Mit der Geschichte «Wiehnachts­abetüür» knüpft die Autorin ans Figurenstück «D'Stampfimatt» an, das sie anlässlich des Jegens­torfer Dorffestes 2011 für unser Theater verfasst und zusammen mit Marianne Hiltbrunner aufgeführt hat. Die Begeisterung des Publikums hat sie animiert, erneut eine fantasievolle und spannende Produktion auf die Bühne zu bringen. Der Beifall des Publikums blieb auch diesmal nicht aus.

 

Georges Feydeau

Floh im Ohr *

Regie: Hans-Peter Incondi

Monsieur Chandebise ist ein treu liebender Ehemann. Das zumin­dest glaubt seine Frau Raymonde. Bis sie eines Tages ein paar Hosen­träger zugeschickt bekommt, die ihr Mann in einem zwie­lichtigen Hotel zurück­gelassen haben soll. Erbost plant die ge­prellte Ehefrau Rache. Und schon nimmt eine rasante Komödie ihren Lauf: Denn in dem besagten Hotel wird nicht nur geliebt und gestritten, sondern ein Angestellter, Poche, ist Monsieur Chandebise in Stimme und Aus­sehen derart ähnlich, dass es zu weiteren Verwirrungen kommt.

* Originaltitel: «La puce à l'oreille»

 

2011

Jürg Markus Fankhauser

Anderson – dr Lüchtturm *

Regie: Reto Lang

Seit seine Frau ihn verlassen hat, lebt Anderson alleine im Leucht­turm 37B. Und seit dieser vom Festland aus mit Funk­signa­len ge­steuert wird, muss der ausgediente Turmwart sich dort versteckt halten. Über den Wellen, zwischen Gischt, Wolken und Möwen­geschrei steigert sich Anderson in Rache­fantasien und sabotiert die Funktion der Lampe mit diabolischer Besessenheit. Ein alter Freund der einzige, der von seinem mörderischen Tun weiss – ist machtlos. Ebenso die Techniker, die den stetig spukenden Leuchtturm reparieren sollen.

* Originaltitel: «Leuchtturm»

 

2010

Theodor Fontane

Effi Briest

Regie: Ueli Remund

Die siebzehnjährige Effi heiratet auf Wunsch ihrer Eltern den zwanzig Jahre älteren Baron von Innstetten, einen Mann mit einer vielversprechenden beruflichen Zukunft. So kommt sie in jungen Jahren schnell zu einem hohen gesellschaftlichen Stand. Das ist es auch, was sich Effi unter Liebe vorstellt: Glück durch materiel­len Wohlstand und eine Heirat in hohe Kreise. Doch bald zeigt sich, dass sie in ihrer Ehe nicht glücklich wird. In der Provinz, an der Seite eines leiden­schafts­losen Ehemanns, vereinsamt Effi, auch wenn sie bald eine Tochter und den rührenden Apotheker Gieshübler um sich hat. Und in dem Haus, in dem Effi lebt, spukt nachts ein toter Chinese. Da schafft Major Crampas Ablenkung. Er nimmt Effi mit auf ausgedehnte Spazier­gänge, während sich ihr Mann um die Karriere bemüht. Doch Jahre später kommt das Verhältnis, das Effi recht halbherzig mit Major Crampas betrieb, ans Licht. Innstetten, in seiner Ehre gekränkt, fordert Cramaps zum Duell.

 

Sven Nordqvist

Findus und der Hahn im Korb

Regie: Davina Siegenthaler Hugi

Kater Findus geniesst sein Leben auf Petterssons Hof in vollen Zügen. Sogar bei den Hühnern ist er der uneingeschränkte Star. Bis eines Tages der eitle Hahn Caruso auftaucht. Dieser bringt mit seiner Schmetterstimme alles durcheinander: Die Hühner, die Hofordnung und somit des Katers ganze vertraute Welt. Zu allem Überdruss findet der alte Pettersson das Gekrähe auch noch schön. Ausser sich vor Wut und Eifersucht heckt Findus einen Plan aus, um das grässliche Hahnenvieh loszuwerden.

 

2009

Michael Frayn

Der nackte Wahnsinn *

Regie: Ernst C. Sigrist

Es ist die letzte Nacht vor der Premiere und die Schauspieler verzweifeln an Ab- und Auf­gängen, der Verteilung von Taschen, Kartons und vor allem: diverser Teller Sardinen. Der Regisseur kann nur mühsam die Fassung bewahren.
Wochen später ist es noch schlimmer: Die Eifersüchteleien der Schauspieler verhindern beinahe die nächste Aufführung. Die Zuschauer können das Stück diesmal nur hören, sehen dafür das Theater hinter den Kulissen: fliegende Kakteen, eine wandernde Whiskeyflasche, Eifersuchts­dramen, Mordversuche - es herrscht Krieg.
Am Ende der Tournee ist vom ursprünglichen Stück nicht mehr viel übrig. Die Zuschauer sehen die letzte Aufführung wieder aus der Publikums­perspektive. Die Schauspieler kämpfen mit Improvisation gegen das wachsende Chaos und ihre Mitspieler. Dabei erleben nicht nur die Sardinen ihren endgültigen Untergang.

* Originaltitel: «Noises Off»

 

2008

Alan Ayckbourn

Schöne Bescherungen *

Regie: Rudolf Bobber

Jetzt wird erstmal der Baum fertig geschmückt, dann wird ein Gedicht aufgesagt, dann werden die Geschenke ausgepackt, dann sehen wir uns die Weihnachts­sendung im Fernsehen an und dann machen wir es uns gemütlich…
Einmal im Jahr soll Schluss sein mit Hader und Streit – für ein paar Tage wenigstens. Harmonie heisst das Zauberwort zum Weih­nachts­fest. Weihnachten – das Fest der Liebe und der Familie, so auch im Hause Banker. Ein Treffen wie jedes Jahr. Doch der faden­scheinige Mantel der Liebe kann die schwelenden Konflikte nicht einmal mehr notdürftig be­decken: Das Fest der Liebe gerät zum Fiasko. Oberflächlich betrachtet erscheint die Komödie fast als Kla­motte. Doch dahinter verbirgt sich eine Gesellschaftskomödie mit intelligenter Psy­cho­logie und Charakteren aus Fleisch und Blut, die mit treffsicherer Ironie und Schärfe ge­zeichnet sind. Die gekonnte Mischung aus Tragik und Komödie macht den Reiz des Stückes aus.

* Originaltitel: «Season's Greetings»

 

2007   PRESSE: Theater-Zytig

Neil Simon

Gerüchte... Gerüchte *

Regie: Kaspar Sigrist

Charley Brock, stellvertretender Bürgermeister von New York, gibt eine Party anlässlich seines 10. Hochzeitstages. Als die ersten Gäste, Ken und Chris Gorman, eintreffen, finden sie den Gastgeber mit einem durchschossenen Ohrläppchen vor. Seine Gattin, nebst Personal, ist spurlos ver­schwunden. Um einen Skandal um Charley Brock und vor allem um sich selbst zu verhindern, wird versucht, die Wahrheit vor den anderen Gästen geheim zu halten. Es ent­steht ein Lügengespinst, in dem sich die vier ge­ladenen Ehepaare verfangen und das selbst nach Bekanntgabe der scheinbaren Wahrheit für weitere Ver­wick­lungen sorgt.

* Originaltitel: «Rumors»

 

PRESSE: Berner Rundschau

Sven Nordqvist

Pettersson und Findus

Regie: Renate Adam

Auf dem Bauernhof von Pettersson ist immer etwas los – dies besonders, weil sein Kater Findus drei Mal im Jahr Geburtstag hat und Pettersson dabei immer eine Pfannkuchentorte backen soll.
Bis aber Geburtstag gefeiert werden kann, müssen Pettersson und Findus viele spannende Abenteuer bestehen. Einmal gilt es, den verschollenen Schlüssel aus dem Brunnen zu fischen, einen kaputten Fahrradreifen zu reparieren oder den Stier des Nachbarn zu überlisten. Dazu haben die beiden Hühner von Pettersson immer einen flotten Spruch und sparen nicht an treffenden Kommentaren. Aber Achtung: Auch der Fuchs treibt sich in der Gegend herum. Der mürrische Nachbar Gustavsson ist ihm dicht auf den Fersen...

 

2006   PRESSE: Berner Rundschau

Gerhart Hauptmann

Vor Sonnenuntergang

Regie: Renate Adam

Der 70-jährige Geheimrat Matthias Hoffmann, Herrscher über einen Zeitungskonzern, verliebt sich nach dem Tod seiner Frau in die 50 Jahre jüngere Kinder­gärtnerin Sonja Berger und wird dadurch zum Skandalon für die gesamte Umgebung. Das Familienoberhaupt, dessen Nach­kommen das Erbe bereits aufgeteilt haben und dessen einzige Emotion in ihren Augen jetzt Trauer sein sollte, erwacht zu neuem Leben und beansprucht sogar Teile seines Vermögens. Die Nach­kommen aber haben sich an seinem Reichtum festgesaugt. Als der Familien­konzern auseinanderzufallen droht, rüsten die Söhne und Töchter zum Gegen­schlag, bewaffnet mit Skrupel­losigkeit, Not­wehrargumenten und bürgerlicher Moral als Rechtfertigung. Kommt der gerade zum Ehrenbürger der Stadt ernannte Vater nicht zur Vernunft, muss er eben entmündigt werden. Hoffmann wird die Welt zum Verhängnis, die er selbst geschaffen hat...

 

2005   PRESSE: Theater-Zytig

Neil Simon

Brooklyn-Memoiren *

Regie: Marcel Reber

Brooklyn Beach 1938. Die vier­köpfige Einwandererfamilie Jerome hat nach dem Tod des Schwagers dessen Witwe Blanche mit ihren beiden Töchtern in ihr Häuschen aufgenommen, so dass Platz und Einkommen jetzt für sieben Personen reichen müssen. Während sich in Europa der zweite Weltkrieg als epochale Katastrophe ankündigt, kämpfen die Jeromes mit den kleinen Katastrophen des täglichen Lebens. Die kleinen Unglücke eska­lieren zum grossen Streit: Die Familie droht auseinander­zu­brechen. Kommentator der Ereignisse ist der 15-jährige Eugene, der alle Geschehnisse in seinem Heft festhält, um sie später als Memoiren zu veröffentlichen.

* Originaltitel: «Brighton Beach Memoirs»

 

2004   PRESSE: Der Bund

Bruno Frank

Sturm im Wasserglas

Regie: Rudolf Bobber, Wolfgang Grabow

Dr. Thoss, kurz vor den Kommu­nal­wahlen der aussichtsreichste Bürgermeisterkandidat, hat im Stadtrat eine drastische Erhöhung der Hundesteuer durchgesetzt. Dies bringt die Blumenfrau Vogel in arge Bedrängnis, denn sie kann seit zwei Monaten die Hundesteuer für ihren Tonerl nicht mehr bezahlen. Thoss, der ein Exempel statuieren will, lässt den Hund arretieren und dieser wartet nun beim Magistrats­diener Pfaffenzeller auf seine Exekution.
Zu seiner ‹Hundekomödie› wurde Bruno Frank inspiriert, als der Münchner Stadtrat 1928 gegen den Willen der empörten und heftig protestierenden Bürgerschaft die Erhöhung der Hundesteuer durchsetzen wollte. Seine Satire gegen die bornierte Engstirnigkeit der Büro­kraten kolportiert die politischen Ränkespiele in einer nicht näher bezeichneten süddeutschen Stadt.

 

2003   PRESSE: Theater-Zytig

Friedrich Dürrenmatt

Der Meteor

Regie: Mathias Hagi, Ernst C. Sigrist

Der scheinbar sterbende Nobel­preis­träger Schwitter hat sich in sein kleines ärmliches Souterrain-Atelier geflüchtet, nachdem er als eigentlich Toter aufge­wacht war – im Blumen von übersäten Kranken­haus­bett mit festgebundenem Kiefer.
Nach dem Motto «Horch, was kommt von draussen rein» steigen allerlei Leute hinab in dieses ärmliche Souterrain, wo des Helden Karriere einst begann. Würdevoll und feierlich will er sich zum Sterben legen, doch statt der wohlverdienten Ruhe werden ihm Gespräche über Gott und die Welt zugemutet. Aus dem schön inszenierten Tod wird nichts. Was bleibt, ist Resi­gnation.

 

2002   PRESSE: Der Bund

Curth Flatow

Ein gesegnetes Alter

Regie: Marcel Reber

Der Pensionär Georges Baumann hat gerade seinen 90. Geburts­tag gefeiert. Dieser Anlass bietet ihm jedoch keinen Grund zur Freude. Im Gegenteil: Er ist verzweifelt; denn einen Tag nach seinem Geburtstag teilt ihm die Vermieterin den Hausverkauf und seinen damit verbundenen Raus­schmiss mit. Der alte Herr bestellt daraufhin seinen rollenden Mittagstisch ab und schaltet die Presse ein. Nach getaner Arbeit ärgert er noch ein letztes Mal seine geldgierige Enkelin mit den vermeintlichen Scherben des guten Meissner Porzellans und sucht dann die nicht benutzte Sterbehilfe-Pille seiner verstorbenen Ehefrau, als es an der Tür klingelt. Das ver­ein­barte Treffen mit der jungen Studentin Christa hatte Georges Baumann in seinem Elend vergessen. Ein kurzer Rock und etwas jugendlicher Übermut - wie wenig es doch braucht, die Lebensgeister eines greisen Mannes wieder zu erwecken. Er erzählt der Studentin Geschichten von früher, während diese die Hausarbeit erledigt und ihn ganz nebenbei zum Kampf gegen den geplanten Abriss des Hauses anstachelt. Da taucht eine alte Bekannte auf der Bildfläche auf: Gitta Eckstein-Lenz. Mit dem ehemaligen Mannequin hatte der Rentner vor vierzig Jahren eine heftige Liebschaft. Noch immer von ihrer Schönheit fasziniert, lässt er sich erneut den Kopf verdrehen. Die beiden schmieden bereits Hochzeitspläne, als die Geschichte eine uner­wartete Wende nimmt.

 

2001   PRESSE: Berner Rundschau

Otfried Preussler

Die dumme Augustine

Regie: Paul Thomet

Der dumme August lebt mit seiner Frau, der dummen Augustine, und den drei Kindern Gugga, Guggo und Guggilein in einem Wagen hinter dem Zirkuszelt. Jeden Tag tritt der dumme August im Zirkus auf, während die dumme Augustine wäscht, bügelt, näht, kocht und zu den Kindern schaut. Die Familie hätte weiterhin ein normales Leben geführt, wenn sich der dumme August nicht eines Tages an einem harten Stück Kuchen einen Zahn ausgebissen hätte. So muss er sich zum Zahnarzt begeben und verpasst dadurch seinen Auftritt. Dies ist die Chance für die dumme Augustine. Sie übernimmt seine Nummer und hat auf Anhieb grossen Erfolg. Fortan will sie sich nicht mehr nur auf die Hausarbeit beschränken. Das Ehepaar teilt sich von nun an die Arbeit in der Manege und zu Hause.

 

PRESSE: Berner Rundschau

Terence Feely

Wer hat den Weihnachtsmann gekillt? *

Regie: Rudolf Bobber

Barbara Love ist das Aushängeschild einer Fernsehserie für Kinder und bei ihren kleinen Fans seit Jahren sehr beliebt. Alljährlich lädt sie ihr gut eingespieltes Team zu einer Weihnachtsparty zu sich nach Hause ein: Assistentin, Maskenbilder, Produzent, Texter und Regisseur – alles gute Freunde. Vor der diesjährigen Party erhält Barbara jedoch mysteriöse Morddrohungen. Alles deutet darauf hin, dass diese nur von jemandem stammen können der sie ganz genau kennt. Zu ihrem Schutze lädt die Bedrohte Kommissar Moore zur Party ein und stellt in als alten Freund vor. Moore versucht so unauffällig wie möglich, den potenziellen Mörder ausfindig zu machen. Was er aber vorerst entdeckt, sind Futterneid, Eifersucht, Intrigen und was der Menschlichkeiten im Show-Business mehr sind. Und dann bewahr­heitet sich die Drohung: Der Weihnachtsmann wird umgebracht. Die Verwirrung ist perfekt. Niemand kennt den Täter, jeder ist verdächtig – selbst der Kommissar erscheint plötzlich in einem schiefen Licht...

* Originaltitel: «Who Killed Santa Claus?»

 

2000   PRESSE: Theater-Zytig

Luigi Pirandello

Sechs Personen suchen einen Autor *

Regie: Hans-Peter Incondi

Während einer Probe erscheinen im Theater sechs Personen: eine Familie, die verlangt, dass der Theaterdirektor «ihr Drama» auf­führt. Sie seien Bühnenfiguren, die von ihrem Autor zwar er­schaf­fen, aber nicht vollendet wurden. Sie wollten aber leben, d. h. ihr Drama auf der Bühne realisieren. Der Theaterdirektor erklärt sich zögernd bereit.
So erfahren er und die Schauspieler, dass der Vater seine Frau mit einem anderen fort­schickte, nachdem er beider legitimen Sohn der Mutter entriss und aufs Land gab. Aus dieser zweiten Beziehung gehen drei Kinder hervor, von denen der Vater nach einigen Jahren die älteste Tochter in einem Bordell wiedertrifft. Durch das Einschreiten der Mutter kann Schlim­me­res verhindert werden. Der Vater nimmt die Familie bei sich im Haus auf, gegen den Willen des legitimen Sohnes. Es kommt zum völligen Zusammenbruch der Familie, Opfer sind die beiden jüngeren Kinder.
Der Versuch, das Drama auf die Bühne zu bringen, scheitert, da die Realität der Bühnen­figuren nicht durch das illusionistische Spiel der Schauspieler dargestellt werden kann.

* Originaltitel: «Sei personaggi in cerca d'autore»

 

1999   PRESSE: Solothurner Zeitung

Fitzgerald Kusz

Schwyg, Bueb! *

Regie: Rudolf Bobber

Eine Konfirmation wird gefeiert. Der Suppe folgt ein Braten mit reichlichen Beilagen und dann gibt's noch Kuchen. Später werden Würste aufgetischt und schliesslich folgt noch eine Torte. Dazu gehören natürlich auch Wein, Bier, Kaffee und Schnaps. Die Tischgespräche umfassen den ganzen gutbürgerlichen Kosmos: vom Kochrezept bis zum Kalauer, vom frommen Spruch bis zur Zote. Die Tafelnden sind voll wie ihre Mägen, eine Unmenge Mitteilens- und Beredens­wertes drängt an den Tag und hat zur Folge, dass die Hauptperson des Festes, der Bub, zum Schweigen verdammt wird.

* Originaltitel: «Schweig, Bub!»

 

1998

Herbert Meier

Rabenspiele

Regie: Marcel Reber

Eine gelangweilte Gesellschaft trifft sich zum Spielabend: der zyni­sche Arzt Haffner mit seiner Geliebten Cornelia, die aus einfachen Verhältnissen stammt und schon durch viele Betten gegangen ist; der Bankdirektor Cartier, der seine Frau Lore wegen ihrer ererbten Uranmine geheiratet hat; der Anwalt Schwaller, der seine Pferde mehr liebt als seine bild­schöne Frau Lucile; der Oberst a.D. Rust, der sich im Grunde seines Herzens einen «heilsamen Krieg» für das Vaterland wünscht; der Kunsthändler Garboni, dessen Geliebte, das Fotomodell Dinah, an allen Plakatwänden präsent ist.
Bei ihren «Rabenspielen» wird jeweils ein ahnungsloser «weisser Rabe», ein Aussenseiter, zur allgemeinen Belustigung an der Nase herumgeführt. Diesmal ist es der «entlaufene Theo­loge» Greder, der nicht mehr ins Priesterseminar zurückkehren will. Cornelia soll unter aller Augen den unbedarften jungen Mann verführen. Zur Belohnung soll sie von Haffner ihr lang er­sehn­tes Auto bekommen. Der Wagen scheint ihr sicher, denn Greder ist vom ersten Augenblick an entzückt von ihr und geht auf die Annäherungsversuche ein.
Das Spiel nimmt seinen Lauf, doch das ‹Opfer» Greder schafft mit seinen unschuldigen wie treffenden Fragen zunehmend Verwirrung: Die alte Liebe zwischen Lore und Rust flammt wieder auf, Haffner verschwindet mit Lucile, und Cornelia verliebt sich wirklich in den ahnungs­losen Greder. Ein Neuanfang scheint möglich, ein Ausbrechen aus der Verlogenheit... Doch da deckt Haffner das Spiel auf, und Greder stösst Cornelia entsetzt zurück. Unter steigendem Alkoholeinfluss gleitet der Abend ins Chaos ab, bis Cornelia plötzlich tot zusammenbricht. Sie hat sich vergiftet.

 

1997

Peter Turrini

Der tollste Tag

Regie: Reto Lang

Wenn der Herr der Braut seines Dieners nachstellt, möchten die Männer die Affäre gern unter sich ausmachen. Mit List und Witz versuchen sie, sich gegenseitig auszubooten. Eine turbulente Komödie der faulen Tricks und Intrigen ist angesagt.
Doch die Frauen überlassen die Sache nicht einfach den Männern. Mit erfrischender Direktheit und einem gefährlichen, pikanten Täuschungsspiel wehren sie sich für ihre Liebe.
Mit Liedereinlagen und witzig-frecher Instrumentalbegleitung wird das frivol-bissige Lustspiel auch zum musikalischen Spass.

 

1996

Siegfried Lenz

Die Augenbinde

Regie: Vreni Uebersax

Menschen in einer Extrem­situation: Von der Aussenwelt abge­schnit­ten, werden fünf Expeditionsteilnehmer von einer Gesell­schaft festgehalten, deren Mitglieder alle blind sind. Die Blinden überbringen den Sehenden das Urteil: Solange der Unterschied des Sehen-Könnens besteht, bleibt ihre Bewegungsfreiheit auf den Bereich eines Blockhauses beschränkt. Erst wenn sie ebenfalls blind sind, können sie in die Dorfgemeinschaft aufgenommen werden. Augenbinden werden ihnen überreicht, durch deren Tragen die Sehkraft schmerzlos nachlässt.
Nahrung und Wasser werden knapp. Der Widerstand der Expe­di­tions­teilnehmer gegen ein unannehmbares Urteil, gegen eine Wahl, die keine ist, beginnt zu bröckeln. Immer mehr von ihnen greifen zur Augenbinde. Als nur noch zwei Personen im Blockhaus übrig sind, stellt sich heraus, dass der Bürgermeister des Ortes und seine engsten Getreuen überhaupt nicht blind sind.

 

1995

Peter Ustinov

Endspurt

Regie: Mathias Hagi

Der Schriftsteller Sam Kinsale hatte ein erfolgreiches Leben. Jetzt ist er 80 Jahre alt und will seine Memoiren schreiben. Doch unge­wollt muss er sich auf eine ganz andere Art noch einmal mit seiner Vergangenheit ausein­an­der­setzen: Er tritt sich selbst als Zwanzig-, Vierzig- und Sechzig­jähriger gegenüber. So werden ihm seine Wandlungen und Ent­wicklungen deutlich, mehr noch erkennt er seine unveränderlichen Charakterzüge: die Neigung zur Bequem­lich­keit, zum Kompromiss, zur Sentimentalität.
Er könnte Konsequenzen aus den Begegnungen mit seinem eigenen Ich ziehen, belässt es aber bei der lapidaren Feststellung, dass er seinen Charakter geändert, seine Seele verkauft hat, nur um des lieben Friedens willen. Jetzt ist er an den Rollstuhl gefesselt und wird sich nach diesem sentimentalen Amüsement der Begegnungen mit sich selbst dem Schreiben seiner Lebens­erinnerungen widmen.

 

1994

Pavel Kohout

So eine Liebe

Regie: Reto Lang

Peter Petrus, ein erfolgreicher Gelehrter, trifft seine frühere Liebe Lida Matys wieder. Er ist aber inzwischen mit einer Ärztin verheiratet. Doch Lida Matys ver­liebt sich erneut in Peter Petrus. Und dies geschieht ausgerechnet am Vorabend ihrer Hochzeit mit dem ungeliebten Milan Stibor, einem stürmischen, selbstsüchtigen, jungen Konstrukteur. – Ihre Liebe endet jedoch tragisch: «Ich liebe ihn, ich liebe ihn noch immer. Als ich ihn gestern traf, da wusste ich es sofort. Es ist möglich, dass ich mir noch nicht vorstellen kann, was für Folgen das alles haben wird...»
Lidas Geschichte wird hier im Sinne einer Gerichtsverhandlung mit ständig wechselnden Sze­nen in Rückblenden neu aufgerollt. Der Versuch, der Wahrheit dieses Falles auf den Grund zu kommen, erweist die Schuld aller Beteiligten. Hinter der behaupteten Liebe verbergen sich Egoismus, Feigheit und Bequemlichkeit, die das Verhalten zu Lida bestimmen. Diese zieht daraus ihre tödlichen Konsequenzen. Ein Bagatellfall des Lebens erhält unversehens schick­sal­haftes Gewicht, wie Petrus später erkennt: «Erst ihr Tod gab allem diese grauenhafte Bedeu­tung...»

 

1993

Werkstattproduktion

Der letzte Wunsch des Grafen

Regie: Ueli Bichsel

Krank und matt liegt der Graf im Spitalbett. Der einzige Lichtblick in seinem trüben Alltag ist die Physiotherapeutin Gerlinde, die ihn tag­täglich liebevoll umsorgt. Eine wunderschöne Liebe entbrennt. Der Graf nimmt Gerlinde mit auf sein Gut... und heiratet sie. Leider ist dies noch nicht das Happy-End. Denn: Der Graf wird tot aufgefunden. erschossen – die Pistole noch in der Hand. Doch es ist kein Selbstmord. Aber wer hat diesen liebeswerten Menschen umge­bracht? War es sein Neffe, der nach der Heirat des Grafen im Testament nicht mehr berück­sichtigt wird? Welchen Nutzen hätte er davon?
Und jetzt platzt die Bombe: Das Theaterstück ist eigentlich nur die Hauptprobe! Denn in den hinteren Rängen entsetzt sich auf einmal die Regisseurin über das Auftreten des Technikers...

 

1992

Fritz Hochwälder

Uschuldig *

Regie: Arlette Zurbuchen

Direktor Christian Erdmann ist ein biederer Ehemann geworden; die dunklen Flecken seiner Vergangenheit sind aus seinem blüten­weissen Jacket ausgewaschen. Ein Mann, der eher die grossen Worte als durch wichtige taten auffällt. Sein loses Mundwerk und sein gespielter Jähzorn bringen ihn denn auch ziemlich in Schwierigkeiten. «Ganz besonders schön» findet ein guter gelaunter Erdmann einen gewissen Herbsttag, allerdings nur vor dem Frühstück. Am Abend des selben Tages ist er anderer Meinung. In wenigen Stunden haben sich Frau und Tochter von ihm abgewandt. Freunde, Nachbar und Bedienstete misstrauen ihm, betrachten ihn als schuldig an dem schwersten Verbrechen, das es gibt: Mord. Aber wie der Titel schon besagt: Seine Unschuld stellt sich heraus – jedenfalls die rein juristische...

* Originaltitel: «Der Unschuldige»

 

1991

Maxim Gorki

Nachtasyl *

Regie: Ueli Bichsel

Nachtasyl: die Werft der Under­dogs, der Gescheiterten, Arbeits- und Obdachlosen. Jeder der Asyl­bewohner bewahrt bei Gorki in der Tristesse eines ausweglosen Alltags seine unverwechselbare Per­sön­lichkeit und klammert sich mit dem Rest des verbliebenen Lebenswillens an die Hoffnung auf ein Entrinnen aus dem erniedrigenden Dasein.
Gezeigt wird, wie jeder auf seine Art und Weise zu überleben sucht. In eindringlichen Bildern beschreibt das Stück jene, die am Tiefpunkt ihrer Existenz angelangt sind, die mit dem Leben nicht mehr fertig werden und ihre Angst, ihre Einsamkeit, Hoffnung und Depression durch nervenaufreibende Streitereien, Haarspaltereien und Lügen nur notdürftig verdecken.

* Originaltitel: «Na dne» ('am Boden') – deutscher Titel: «Nachtasyl – Szenen aus der Tiefe»

 

1990

Eduardo de Filippo

Hochzyt uf italiänisch *

Regie: Franz Della Casa

25 Jahre lang hat sie es bei ihm ausgehalten, sich um Haus und Hof gekümmert, jederzeit die verfügbare Geliebte gespielt: Filumena Marturano, aus dem Elendsquartier via Bordell in das Haus des napolitanischen Lebemannes Don Domenico gekommen, muss schon zu einem ganz hinterhältigen Trick greifen, um endlich zu ihrem Recht, das heisst zu den Ehren einer Ehe zu kommen: Als scheinbar Todkranke erbittet sie als letzten Wunsch die Trauung. Don Domenico willigt ein, hat er als Nachfolgerin doch schon ein süsses blondes Gift in petto. Als er jedoch kurz nach der Heirat erfährt, dass alles nur eine Finte war und die wie durch ein Wunder zum Leben erweckte Filumena auch noch gesteht, dass sie mit seinem Geld ihre drei unehelichen Söhne grossgezogen hat, ist der Teufel los...

* Originaltitel: «Matrimonio all'italiana» – deutscher Titel: «Hochzeit auf italienisch»

 

1989

Karl Gassauer

Casanova auf Schloss Dux

Regie: Christian Schmid

Schlechtes Essen, schlechte Kon­versation, schlechte Manieren treiben den alten Casanova auf Schloss Dux, der letzten Station seiner langen Lebensreise, zur Verzweiflung. Hier, in den dunklen Gemächern und Gängen, lauert Casanovas schlimmster Feind: die Langeweile. Und so ge­schieht es, dass Giacomo Casanova, der grosse Verführer und leidenschaftlichste aller Lieb­haber, sich zu erinnern beginnt.

 

1988

Max Frisch

Biedermaa u d'Brandstifter *

Regie: Helmut Pietz

Der reiche Haarwasserfabrikant Gottlieb Biedermann schimpft bei der Zeitungslektüre über die in der Gegend sich häufenden Brand­stiftungen.
Dem aufdringlichen Hausierer Schmitz überlässt er einen Schlafplatz auf dem Dachboden und unternimmt auch nichts, als dieser seinen Freund Willi Eisenring mitbringt. Schmitz berichtet Biedermann, er sei mit dem Feuer von klein auf vertraut, weil sein Vater Köhler war. Aus Freude an den Flammen habe er bereits einen Zirkus angezündet.
Und der ehemalige Kellner Eisenring gibt offen zu, dass er bereits eine Haftstrafe wegen Brandstiftung verbüssen musste. Als Schmitz und Eisenring Benzinfässer anschleppen, protestiert Biedermann zunächst, lässt sich aber von ihnen beschwichtigen, weil sie ganz offen erzählen, was sie vorhaben, und Biedermann sich sagt, das würden sie nicht tun, wenn sie wirklich Feuer legen wollten. Vor der argwöhnischen Polizei behauptet er, dass die Fässer Haarwasser enthalten. Damit macht er sich gewissermassen zum Komplizen der beiden Brandstifter. Aus Furcht vor ihnen lädt er sie zum Essen ein, serviert ihnen Wein und duzt sich mit ihnen, denn einem Freund – so überlegt er – werden sie doch nicht schaden wollen. Am Ende gibt er ihnen auch noch Streichhölzer, wobei er sich einredet, dass sie selbst welche hätten, wenn es sich wirklich um Brandstifter handeln würde.
In der Nacht legen die beiden Männer Feuer. Gottlieb Biedermann und seine Frau Babette sterben in den Flammen.

* Originaltitel: «Biedermann und die Brandstifter»

 

1987

Gerhart Hauptmann

De Fuehrme Henschel *

Regie: Harald Feller

Am Sterbebett verspricht Willi Henschel seiner Frau, die Magd Hanne nicht zu heiraten, wenn sie sterbe. Er tut es dann doch. Die durchtriebene Hanne entpuppt sich als lieblose, eigensüchtige und untreue Frau. Willi Henschel verfällt immer mehr; er hört und sieht seine verstorbene Frau und nimmt sich das Leben.

* Originaltitel: «Fuhrmann Henschel»

 

1986

John Patrick

Gschpässigi Lüt *

Regie: Harald Feller

In der Villa ‹Waldfriede› leben Menschen, die die Mühseligkeiten und Strapazen des Alltags hinter sich gelassen und Abstand zu den Unzulänglichkeiten des Lebens und seiner Unvoll­kommenheit geschaffen haben. Männer und Frauen, die sich nicht an das Leben anpassen können. Sie frönen all den Dingen, die über die menschliche Vergänglichkeit hinaus Gültigkeit besitzen. Musik und Malerei, Literatur und Liebe bestimmen ihr Dasein. Leichtigkeit und Unbe­schwertheit sind ihre Maxime.
Eines Tages taucht Mrs. Ethel P. Savage in diese Welt ein. Nicht gerade freiwillig: Dafür haben ihre drei erwachsenen Stiefkinder gesorgt. Irritiert und fasziniert zugleich lauscht Mrs. Savage den Tönen eines begnadeten Musikers, ertrinkt beinahe rettungslos in den Ozeanbildern einer jungen Malerin und wird berührt von einer Lebenskünstlerin, die beseelt auf dem Weg nach Liebe und Schönheit wandelt. Der literaturbegeisterte Jeffrey tritt ebenso in ihr Leben, wie die fürsorgliche Mutter Florence.

* Originaltitel: «The Curious Savage» – deutscher Titel: «Eine etwas sonderbare Dame»

 

1984

Gerhart Hauptmann

Ratte *

Regie: Harald Feller

Auf dem Dachboden einer Berliner Mietskaserne, wo der Fundus des ehemaligen Theaterdirektors Hassenreuter untergebracht ist, bringt das Dienstmädchen Pauline Piperkarcka ein uneheliches Kind zur Welt. Die Putzfrau Henriette John, die sich sehnlichst ein Kind wünscht, kauft ihr das Neugeborene ab und gibt es als ihr eigenes aus. Als Pauline wenig später das Kind zurückfordert, soll Frau Johns krimineller Bruder Bruno sie einschüchtern. Dabei bringt er Pauline jedoch um. Als Vertreter der Behörde eingreifen und auch Herr John misstrauisch wird, gesteht Frau John ihren Betrug und stürzt sich aus dem Fenster.

* Originaltitel: «Die Ratten»

 

1983

Peter Shaffer

E schwarzi Kumedi *

Regie: Harald Feller

Wie beeindruckt der Künstler Brindsley Miller seinen Schwieger­vater in spe? Er räumt kurzerhand die Wohnung des verreisten Nach­barn leer. Aber was passiert, wenn plötzlich ein Kurzschluss dazwischenfunkt? Wenn alle im Dunkeln tappen, werden aus Träumen Schäume. Und bis den Beteiligten das Licht wieder aufgeht, nehmen Möbel und Geschehnisse einen ganz eigenen Lauf.
Das Stück gewinnt seine Komik nicht nur aus der aberwitzigen Grundsituation und seinen Ver­wicklungen, sondern vor allem durch einen grandiosen Einfall: Shaffer vertauscht Licht und Dunkel. Immer, wenn im Stück Dunkelheit herrscht, ist die Bühne hell erleuchtet. Sie verdun­kelt sich nur, sobald irgendeine Lichtquelle zum Einsatz kommt. Sie stolpern, stürzen und stossen sich an. Andererseits halten sie sich für unsichtbar und verhalten sich völlig unge­hemmt, so, als wären sie unbeobachtet. Shaffer variiert das traditionsreiche Spiel um Schein und Sein und deutet einige der Abgründe an, die offenbar würden, wenn in bestimmten Situationen Licht gebracht würde.

* Originaltitel: «Black Comedy» – deutscher Titel: «Komödie im Dunkeln»

 

1981

Leo N. Tolstoi

I dr Fyschteri *

Regie: Harald Feller

Weil sie den Knecht Christian, einen gewissenlosen Weiberheld, heiraten will, ermordet die Bäuerin Barbara ihren Mann. Christian verführt die Stieftochter von Barbara, Vreni. Diese wird wegver­heiratet, doch bringt Christian ihr Neugeborenes um. Am Schluss hört er auf die Ermahnung seines Vaters und bekennt seine Sünden.

* Originaltitel (transkribiert): «Vlast 't'my» – deutscher Titel: «Die Macht der Finsternis»

 

1980

Heinrich von Kleist

Dr verbrochnig Chrueg *

Regie: Heinz Zimmermann

Der am Ort amtierende Richter Adam versucht seine Macht­position als Richter auszunutzen um die Tochter von Marthe, Eve, zu verführen. Bei dem Versuch wird er durch den Verlobten Eves überrascht. Beim anschliessenden Gerangel mit Ruprecht wird Adam lädiert und zerbricht beim Sprung aus dem Fenster einen Krug, erkannt aber wird er nicht. Am nächsten Tag kommt unerwartet Kontrolle aus der Hauptstadt und gerade an diesem Gerichtstag versucht Marthe nun ihr Recht gegen Ruprecht durchzusetzen, den sie für den Übeltäter in Bezug auf den zerbrochenen Krug hält. Nach und nach zieht sich der Strick um den Hals von Adam enger und auch sein Sekretär Licht kann irgendwann die Hand nicht mehr schützend über ihn halten. So kommt es, dass Adam aus dem Amt geworfen wird und die Flucht antreten muss.

* Originaltitel: «Der zerbrochene Krug»

 

1979

Dario Fo

Zahlt wird nid! *

Regie: Helmut Pietz

«Bezahlt wird nicht!» lautet die Parole der renitenten Hausfrauen, die sich aus Wut über die stän­di­gen Preissteigerungen zusammen­rotten und einen Supermarkt plündern. Auch Antonia hat sich reichlich bedient, muss aber ihre Beute vorläufig verstecken, denn ihr Mann Giovanni ist ein auf­rechter Gewerkschaftler und Verfechter unbedingter Redlichkeit. Als die Carabinieri mit Hausdurch­suchun­gen beginnen, wachsen Antonias Notlügen sichtbar: zu einer Scheinschwangerschaft ihrer Freundin Margherita und einem scheintoten Polizisten im Sarg. Währenddessen überstürzen sich die Ereignisse: Den Bewohnern der Siedlung werden Gas und Strom abgestellt, wegen Mietschulden will man die Wohnungen räumen, und in Giovannis Fabrik wird Kurzarbeit eingeführt. Das ist schliesslich selbst dem braven Ehemann zu viel. Es kommt zu einem Aufstand der Arbeiter.

* Originaltitel: «Non si paga! Non si paga!» – deutscher Titel: «Bezahlt wird nicht!»

 

1978

Max Frisch

Biedermaa u d'Brandstifter *

Regie: Helmut Pietz

Max Frischs Drama haben wir zum 10-jährigen Bestehens unseres Theaters 1988 ein zweites Mal aufgeführt. Zum Inhalt siehe dort.

* Originaltitel: «Biedermann und die Brandstifter»